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  • AutorenbildKerstin

Slow Traveling - mit dem Bus nach Griechenland.

Heute nehme ich dich ein Stück in meinen letzten Sommerurlaub mit. Welche Qualität für mich das Slow Traveling bekommen hat und wie ich auf dem Landweg nach Griechenland gekommen bin, möchte ich hier mit dir teilen.


Wir leben in einer Welt voller Herausforderungen. Nun mögen die Einstellungen, wer bei der Klimakrise in der Verantwortung ist, zu handeln, unterschiedlich sein. Für mich ist klar: Ich möchte möglichst oft Teil der Lösung sein. Deshalb habe ich mich beim letzten anstehenden Sommerurlaub gefragt: Ist es möglich, glasklares Wasser und schattenspendende Olivenbäume innerhalb von Europa ohne Flugzeug zu erreichen?

Griechenland kenne ich noch aus meiner Kindheit. Obwohl die Erinnerungen daran doch schon sehr verschwommen sind, sind das Gefühl, die Erzählungen von Mama und Papa und das Fotoalbum, worin auch Oma und Opa zu sehen sind, noch da. Es zieht mich wieder hin auf die wunderschönen griechischen Inseln - und gleichzeitig haben mein Partner und ich uns vorgenommen, in Europa so gut es möglich ist, nicht mehr zu fliegen. Deshalb nun die Frage:


Wie kommen wir hin?


Eine abendliche Recherche später ist klar: es wird eine Busreise. Nun gut, mehrere Busreisen. Obwohl viele Menschen bei der Erzählung überrascht reagieren “Wie? Ihr seid mit dem Bus bis Griechenland gefahren?” muss ich sagen, dass mich das Konzept an sich nicht abgeschreckt hat, da ich es bereits von Busreisen innerhalb Asiens kenne. Für mich war eher die Frage: Ist das, was ich kenne, auf Europa umlegbar? Wie wird es uns in den Nachtbussen ergehen, werden uns Unwetter begegnen und wie erschöpft werden wir von unserer Anreise sein?


Kurzum die Antwort: Es ist möglich.


Die Anreise wurde zur Reise selbst und ich habe die Backpacking-Erfahrung, die ich sonst aus Asien kenne - und liebe - nun auch in Europa machen können.

Mit dem Zug ging es von Graz nach Wien, mit einem Nachtbus ging es von Wien nach Sofia. Dort haben wir erstmal einen Tag in der Stadt verbracht, uns in veganen Lokalen (davon gibt’s dort jede Menge) mit Klimaanlage gut erholt, eine Nacht dort geschlafen und auch den nächsten Tag noch mit gemütlichem Stadtbummeln und im Café sitzen verbracht. Am Abend ging es dann weiter mit dem nächsten Nachtbus von Sofia nach Athen.

In Athen kamen wir früher an, als geplant, weshalb wir als Learning mitnehmen, im Zweifel einen Bus später zu buchen, da sich um vier Uhr morgens in einer fremden Stadt nicht viel machen lässt. Die Busstation ist leider auch nicht im beruhigensten Viertel, weshalb hier die paar Schreckensminuten unserer Reise stattgefunden haben, da wir die Sicherheitslage in den dunklen Straßen nicht einschätzen konnten.


Zu Fuß ging es ein paar Straßen weiter Richtung Innenstadt und wir wurden mit einem unglaublich lohnenswerten Blick auf die beleuchtete Akropolis empfangen. 


Auf den Stühlen von noch geschlossenen Cafés nahmen wir Platz und stärkten uns mit Keksen, die wir noch dabei hatten. In Athen gönnten wir uns gleich mehrere Tage. Hierzu nur zusammenfassend: Wir haben es trotz der vierzig Grad im Schatten unglaublich genossen, sie zählt definitv nun zu meinen Lieblingsstädten.

Gleichzeitig haben wir am eigenen Leib erfahren, was es bedeutet, mit Hitze umzugehen, wenn man nicht den Luxus hat, von klimatisierten Verkehrsmitteln in klimatisierte Hotelzimmer zu wandern. In der Zeit von vier Uhr morgens bis zwei Uhr Nachmittags (Check-In ins AirBnB) waren wir den vierzig Grad im Schatten (und diesen gab es kaum) ausgeliefert. Eine Erfahrung, die zum Einen neu war für beide, zum Anderen daran erinnert, womit viele Menschen bereits an vielen Orten der Welt zu tun haben und was sich in den kommenden Jahren auch immer weiter in unseren Breitengraden zeigen wird.


Was wir gemacht haben?


Die ersten Stunden frühmorgens verbrachten wir spazierend in der Innenstadt. Nach einem Frühstück (auch hier gibt’s jede Menge vegane Optionen) wurde es dann bereits sehr heiß, sodass wir uns in ein nahegelegenes klimatisiertes Einkaufszentrum mit Bücherabteilung verschanzten. Als die Mitarbeitenden dort keine Freude mehr mit uns hatten, da wir auf den Couchsesseln dann doch fast eingeschlafen wären, ging es in einen angrenzenden Park. Dort war das einzig mögliche Ziel der Schatten unter einem Baum - und dort blieben wir dann auch mehrere Stunden lang liegen. Wie sehr Bäume und Grünflächen der Hitze entgegenwirken können, haben wir dort einmal mehr direkt spüren können. Und wie sehr wir uns dann über unser klimatisiertes Zimmer gefreut haben, brauche ich hier nun wahrscheinlich nicht mehr ausführen :-)


Nach ein paar wunderschönen Tagen in Athen ging es dann mit der Fähre weiter auf eine griechische Insel. Zu diesem Zeitpunkt waren wir bereits im Reisemodus, hatten die Gedanken des Alltags hinter uns gelassen und waren bereit für zwei Wochen pure Inselzeit.






 

Es ist zwei Uhr nachmittags und wir sitzen neben unseren Rücksäcken in einer Taverne am Wasser. Die Bedienung kommt an, eine junge Frau. Ob es eine Speisekarte gäbe, möchte ich wissen. Nein, aber sie könne uns sagen, was es gibt. Nun gut. In aller Ruhe zählt sie auf, welche Speisen und Getränke ihr einfallen. Ein kühles Getränk darf her, denn wir sind etwas erschöpft - doch super happy. Nach einer Woche Anreise auf dem Landweg haben wir es geschafft: Wir sind auf einer griechischen Insel ♡

 

Und, hat es sich gelohnt?


Auf jeden Fall.


War es aufregend?


Und ob.


Hatten wir trotzdem einen entspannten Urlaub?


Ja! Die Abwechslung aus Abenteuer und Entspannung war für uns die ideale Mischung, um komplett aus dem Alltag rauszukommen und den Kopf so richtig frei zu bekommen. So hatte die Seele auch Zeit, nachzureisen.

Was uns auf der Insel gleich noch auffällt: Die Zeit tickt hier anders. Man könnte sogar meinen, hier gebe es keine Uhren. Die paar Tage Anreise haben uns bereits in das dazugehörige Mindset gebracht: Slowly, slowly.


Das wirft die Frage auf: 


Ist es wirklich immer wichtig, möglichst schnell von A nach B zu kommen? Was wäre, wenn wir bereits die Anreise als Teil der Reise sehen?


Ich freue mich, in den Kommentaren deine Gedanken dazu zu lesen.


Alles Liebe,



Ps.: Ja, wir hatten das große Glück, auf einer griechischen Insel zu sein, die im Sommer 2023 nicht von Waldbränden heimgesucht worden ist. Auswirkungen der Klimakrise haben dort mit Feuern und Überschwemmungen furchtbare Spuren hinterlassen und vielen Menschen und Tieren viel Leid beschert. Ich wünsche allen, die davon betroffen sind, viel Kraft

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