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  • AutorenbildKerstin

Ein soulful Arbeitstag in einem Minijob im Lager - geht das?

Heute war ein guter Arbeitstag. Warum? Ja, was gehört zu einem guten Arbeitstag? Mir diese Frage immer wieder aufs Neue bewusst zu beantworten trägt einen großen Teil dazu bei, dass ich den Weg zur Zufriedenheit vielmehr selbst gestalten kann, als mich ausgeliefert zu fühlen. Um die Frage für heute beantworten zu können, erstmal eine kurze Hintergrundinfo: 


Zu sehen ist: eine Person, die einen Karton trägt.


Ich arbeite zurzeit selbstständig als Trainerin und Coach, als auch ein paar Stunden pro Woche in einem Minijob in einem Lager. Zweiteres ist für mich ein wunderbarer Ausgleich zur überwiegend sitzenden Laptoparbeit, denn im Lager heißt es fünf Stunden am Stück bewegen. Ich will mir damit meinen fünfwöchigen Urlaub für dieses Jahr finanzieren, den ich mit meinem Bruder zu dessen Studienabschluss machen werde. (yay!)


"Wie jetzt, sie ist selbstständig und arbeitet nebenher in einem Lager?" Ja, genau. Mehrere finanzielle Standbeine waren mir immer schon sympathisch. In der Selbstständigkeit ist noch ein weiterer sehr wichtiger Aspekt für mich dazugekommen: Ich möchte niemals im Mangel sein, besonders dann nicht, wenn ich Gespräche mit Interessent:innen führe. Ich möchte weiterhin frei sein, mir meine Kund:innen für das Pflänzchen-Programm aussuchen zu können, und auch ganz ehrlich sagen zu können, wenn ich denke, dass es nicht passt oder ich nicht unterstützen kann. Und ich möchte meinen Urlaub nicht von meinen verkauften Workshop-Tickets abhängig machen.


Und dazu kommt: ich werde gerade dafür bezahlt, Sport zu machen, quasi. Im Lager mache ich jeden Tag viele Meter (ein Kollege hat einen Schrittzähler und hat etwas von ca. 13 Kilometern gesagt, die wir pro Schicht zurücklegen) und ich darf Lebensmittel und auch Getränkekisten ein- und umschlichten. Da spare ich mir im Moment mein geliebtes Bouldern, denn das reicht mir an körperlicher Betätigung :-) Auch habe ich mein Handy fünf Stunden am Stück nicht bei mir, und so ist auch digital Detox gleich inklusive.

Warum heute ein guter Arbeitstag war? Stimmt, zurück zur Ausgangsfrage. Ja, nicht jeder Arbeitstag fühlt sich "soulful" an, wie wir das in den Workshops so besprechen und gestalten. Natürlich gibt es Momente der Unsicherheit, Frustration, Auseinandersetzungen. Und doch macht es mich stolz, dass ich nun bereits seit ein paar Monaten diesen Job mache. Weil ich merke, dass ich es körperlich schaffe (was keinesfalls selbstverständlich ist für mich, die seit sie denken kann an einem Schreibtisch gearbeitet hat). Und weil ich so viel lerne über mich, über andere Arbeitsrealitäten und darüber, wie ein Arbeitstag in einem Lager auch soulful sein kann, wie heute.


  • ♡ Ich komme zur Arbeit und die Schichtdienstleiterin begrüßt mich mit einem vertrauten Lächeln. Wir kennen uns, wir vertrauen uns, alles ist fein.

  • ♡ Ich darf mich jeweils auf eine Aufgabe konzentrieren. Wenn ich diese abgeschlossen habe, kann ich innerlich einen Haken dran machen, dann kommt die nächste. Das ist nicht an allen Lagertagen so und hängt vor allem von der Schichtdienstleitung ab, ob und wie diese delegiert.

  • ♡ Ich habe das Gefühl, dass ich meinen Aufgaben gewachsen bin. Die Einarbeitungsphase hat sich stressig angefühlt, da ich an vielen Stellen Informationen nicht so linear verarbeite, wie sie mir vermittelt wurden. Das resultierte in viel Chaos in meinem Kopf, das in mehreren Schleifen zu einem großen ganzen Bild zusammengefügt werden sollte, bevor ich das Gefühl hatte, den Überblick zu haben. In der Lernphase war ich oft damit beschäftigt, mir selbst Fehler zu verzeihen und mich daran zu erinnern, dass wir daraus lernen. Mittlerweile bin ich wieder gelassener, was den gesamten Arbeitsprozess und -tag entspannt.

  • ♡ Nicht alle Kolleg:innen sind auf einen netten Austausch - und sei es “nur” ein Lächeln im Vorbeigehen - bedacht. Für mich macht das jedoch einen riesigen Unterschied, auch das merke ich mit dieser Erfahrung immer wieder. Mit der heutigen Schichtdienstleiterin ist auch mal Zeit für einen Scherz zwischendrin oder eine entgegenkommende Aufmerksamkeit, ein fürsorgliches “Hier ist noch eine Kälteschutzjacke für den Kühlraum” und ein “Ich bin stolz auf mich, weil ich das geschafft hab” - ihre Worte.

  • ♡ Last but not least und trotzdem fast vergessen: Als ich nach Hause kam, durfte ich mich in Ruhe auf meinen Balkon zu meinen Tomatenpflänzchen setzen und mich stärken, bevor meine abendliche Mentoring-Session mit einem Pflänzchen-Programmteilnehmer begann, die ich superschön fand. Ich durfte meine Charakterstärken zum Einsatz bringen, meine Expertise zum Starten einer nebenberuflichen Selbstständigkeit teilen und tolle Ergebnisse sehen. Fast vergessen, weil sich das für mich absolut nicht nach Arbeit anfühlt. Und doch werde ich dafür bezahlt, weil ja, auch das darf sein :-)

Fast die Hälfte der Gründe beziehen sich auf die Führungskraft, die heute einen riesigen Teil dazu beigetragen hat, dass der gesamte Arbeitstag soulful für mich war. Die Atmosphäre, die sie geschaffen hat, haben mir psychologische Sicherheit vermittelt. Dazu kam noch das Sicherheitsgefühl in Bezug auf meine Tätigkeiten, die ich mittlerweile routiniert ausführe und die Möglichkeit, Arbeitsschritte jeweils abzuschließen. Und als cherry on top kommt noch die Selbstwirksamkeit, die ich in meinem self-made Job spüren darf, sowie die kreative Freiheit, die ich auslebe, während ich diesen Text hier für Dich schreibe. Und nun bin ich neugierig:


Was macht für Dich einen soulful Arbeitstag aus?


Ich freue mich, in den Kommentaren von Dir zu lesen.


 

Für dein Pinterest-Board:


Zu sehen ist: eine Person, die einen Karton trägt. Mit Text.

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